Donnerstag, 4. Oktober 2012

Der letzte Wanderer


Der letzte Wanderer

Der Meier Hannes aus Kandern
Tut in den Bergen gerne Wandern

Seit Jahren zieht es ihn hinan
In die Höhe mit der Schwebebahn

Doch kaum ist er oben angekommen
Wird ihm schwindlig ist benommen

Was hier oben er erblickte ist fatal
Menschenmassen in ungeahnter Zahl

Wähnt sich wie am Meeresstrand
Im einst so schönen Bergesland

Musik und Lärm dringt ihm zu Ohren
Nichts von Alpenruhe und Erholen

So zieht er schnell weg von diesem Treiben
Auf steilen Pfaden bergab und über Weiden

Doch auch hier über Stock und Stein
Holt ihn die lärmende Meute ein

Auf Bikes rasen die Verrückten an ihm vorbei
Und maulen dass dies ein Weg für’s Velo sei

Und übrigens hätte er hier nichts verloren
Als einziger Mensch auf Schusters Sohlen

Was waren das doch für schöne Zeiten
Als Wandern noch konnte Freude bereiten

So tut halt heut der Hannes aus Kandern
In seinem Garten um sein Häusle wandern...

© Hans-Peter Zürcher

Kommentare:

HANS-PETER ZÜRCHER hat gesagt…

...Auch wenn ich dieses Gedicht mit Humor geschrieben habe, ist es doch leider so wie ich hierin beschreibe. All das stimmt mich sehr traurig und macht betroffen und sehr nachdenklich. Es ist mehr als bedenklich, wie sich unsere zivilisierte Menschheit in der Natur benimmt und mit ihr umgeht.

Seit mehr als 55 Jahren bewandere ich die Bergwelt. Was sich aber dort oben in den letzten Jahrzehnten abspielt, ist ein Trauerspiel sondergleichen. Fun, Spiel und Spaß nennt sich dieses Gebaren. Mounterbikes und Trottinet, Seilrutschen und Gleitschirme sind nur ein Teil dieser bedenklichen Entwicklung, laute Musik dröhnt auf den Terrassen der Bergrestaurants einem entgegen, für die Skipisten werden ganze Berghänge und Alpweiden umgebaggert. Auf den letzten Wanderwegen wird man von Bikern schon fast überfahren, Abfälle schmeißt man einfach weg oder stopft sie in die Löcher von Murmeltierhöhlen. Nicht nur der Alpenraum, nein, auch in den Wäldern und auf den Feldern benimmt sich die Spezies Mensch,. als ob ihr all das gehört, was einst Natur bedeutet hat. Hauptsache ist, dass man Spaß und Unterhaltung findet. Anstand, Wertschätzung, Respekt und Ethik wurden zu Fremdwörtern degradiert. Aber wehe wenn sich die Natur zu rächen beginnt, dann wird von Katastrophen geredet, aber keiner dieser „Spaßvögel“ bekennt sich selbst zu den Machern dieser Katastrophen. Das hat in unserer Konsum- und Spaßgesellschaft keinen Platz, Hauptsache ist doch, dass erst mal die Anderen sich als Vorbild ändern sollen, schließlich leben wir ja nur ein Mal... und Die, die nach uns kommen???

Herzlichst Hans-Peter

sieghild hat gesagt…

Du hast ja so Recht lieber Ha-Pe,
diese Menschen wissen nicht,dass wir die Natur benötigen um leben zu können und nicht umgekehrt.
Es grüßt dich sieghild

Anne hat gesagt…

Lieber Hans-Peter,
sicher muss man bei diesen Worten schmunzeln, denn es kommt recht locker herüber. Wenn man den Inhalt jedoch genau beleuchtet, dann weiß man, dass dies keineswegs so lustig ist. Leider ist das heute so. Schöne Gegenden sind überlaufen von Menschenmengen, die herum lärmen und die Natur stören. Ich mag auch die Stille der Wälder, der Wiesen und einsame Wege. Wo findet man das aber noch?
Liebe Grüße von Anne

Jade hat gesagt…

Wie sehr du mir aus der Seele sprichst, lieber Hans-Peter, ich finde das ganz und gar grauenvoll, was der Mensch der Natur antut. Ich bin ja in Tirol geboren und aufgewachsen, aber ich meide die Berge, und zwar genau aus jenem Grund!!! Die Natur genießen, das heißt für mich Stille, allein sein, mich mit Respekt und in meinem Tempo durch die Landschaft zu bewegen.........alles andere ist für mich undenkbar, daher bin ich überaus glücklich, in einer Gegend zu leben, die landschaftlich traumhaft schön, aber touristisch uninteressant ist. Nicht auszudenken, wenn es diese Rückzugsorte für Mensch und Tier nicht mehr geben wird und jeder Respekt abhanden kommt......es ist eine absolute Katastrophe, auf die wir da zusteuern!!!! Manchmal weiß man gar nicht wo man anfangen sollte, so aussichtslos ist dieses Unterfangen. Man kann vor allem mit gutem Beispiel vorangehen und schon seinen Kindern und Kindeskindern die Liebe und Achtung vor dem kleinsten Lebewesen und unserer atemberaubend schönen Natur mit auf den Weg geben!!! In diesem Sinne eine herrliche Woche mit vielen betörenden Momenten und allerliebste Grüße,

herzlichst Jade

Elisabeth hat gesagt…

Lieber Hans-Peter, ich möchte alles Unterstreichen was Du schreibst. Es ist himmelschreiend was mit der Natur geschieht. Gedankenlos oder manchmal auch willentlich.

Ein lieber Gruss von einer die noch Sorge zur Natur trägt
Elisabeth

Jutta hat gesagt…

Lieber Hans-Peter,

erst einmal das alte Foto ist einfach herrlich. Das ist doch das Matterhorn. Wie alt mag diese Aufnahme wohl sein?

Dein Gedicht ist wirklich mit viel Humor geschrieben, obwohl es hier um eine bitterernste Sache geht. Ich weiß auch nicht, was mit diesen Menschen los ist. Einesteils ist es sicher die Gier nach Geld, dass immer mehr Skilifte entstehen, andererseits die Gier nach Vergnügen, egal in welcher Form. Auf die Natur wird dabei wirklich keine Rücksicht mehr genommen. Manchmal bin ich regelrecht verzweifelt, wenn ich sehe wie mit ihr umgegangen wird, ob es nun die Berge sind oder das flache Land.

Liebe Grüße
Jutta

grenzen-los-zeit-los hat gesagt…

lieber Hans-Peter,

so geht es uns manchmal auch leider an der Küste, man muss häufig so gegen 11 Uhr morgens am Strand verschwunden sein, aber-, wir haben wenigstens dort eine strandlange Fußgängerzone .... und noch immer gibt es hier auch Plätze, wo man ganz alleine für sich sein kann ...mit dem Fahrrad ist es einfach ein Vergnügen ... und unser Deich ist sooooooooooooo lang ... schade, dass Dein Vers so w a h r ist ... schicke Dir liebe Grüße von der Nordsee ... Ursa

Helgas Kunst in Wort und Bild hat gesagt…

Tja, man wundert sich immer wieder
was so mancher Mensch als Vergnügen betrachtet. Wenn sie feiern wollen, warum dann in der stillen Natur? Ich verstehe es nicht, genau so wenig wie du!
Herzliche Grüße aus dem
sehr stillen, äußerst ruhigen
Suderburgerland
Helga

Rosanna Maisch hat gesagt…

Gaanz große Klasse lieber Hans-Peter :0)es erinnert mich ein wenig an ein Limmerick ! Das nostalgisch bearbeitete Foto gefällt mir ausserordentlich und passt hervorragend

Liebe Grüße schickt dir Rosanna